Lehmbackofen

Ich bin schon immer begeistert von der italienischen Küche und da ich auch recht gerne koche, suchte ich nach einer Lösung, wie ich diesem Hobby auch im Garten nachgehen kann.

Da mir ein Grill zu unflexibel war, begann ich mich nach alternativen umzusehen. Nach einigen Recherchen landete ich immer wieder auf Internetseiten von diversen Herstellern von Backöfen, die mit Holz befeuert im Garten zum backen genutzt werden können. Der hohe Preis einer Fertiglösung und mein Forscherdrang so etwas selbst zu bauen, führten schließlich zum Eigenbau.

In vielen Stunden las ich mir das nötige Wissen an, um so einen Ofen zu bauen. Ich versuche hier den Bau ausreichend genau zu beschreiben, wer aber Fragen hat oder solch ein Projekt selbst umsetzen will, kann mich gerne kontaktieren. 

Der Ofen wurde an eine bestehende, alte Terrasse angegliedert. In diesem Zuge wurde diese gleich noch etwas schöner gestaltet und mit einer Natursteinmauer versehen.

Das Fundament für den 1,70m x 1,40m großen Sockel wurde 60cm tief in den Erdboden eingelassen und an den obersten 15cm mit einer Schalung versehen.

Auf diese Bodenplatte wurde der Sockel aus Schalsteinen aufgebaut. Für eine schönere Optik bekam der Sockel auf der Vorderseite noch einen Eingang, welcher eis einigen Zeigelsteinen über eine Sperrholzform gemauert wurde. Diese Form verbleibt bis nach dem Aufbringen der Betondecke auf den Sockel in der Wand. Da ich noch einige Stange 12mm Torstahl herumliegen hatte, wurden diese als Ringanker in die oberste Lage der Schalsteine mit eingegossen.

Der Deckel des Sockels wurde direkt auf diesem aufgebaut. Um die Aussenwände wurde eine Schalung angebracht, die gleich eben und im Wasser ausgerichtet wurde. Dies ermöglicht die gegossene Platte sehr einfach mit einer langen Setzlatte abzuziehen. Das Loch zwischen den Außenwänden wurde folgenermaßen verschlossen. Zuerst fertigte ich sechs Balken 100mm x 100mm. Diese wurden in die Ecken und auf halber Länge der Seitenwände auf die Bodenplatte innerhalb der Außenwände gestellt. Nun legte ich drei lange Kanthölzer über die Stützen von links nach rechts. Auf diese Träger wurden 30mm Dielen gelegt, bis das Loch geschlossen war. Um Später weniger Probleme damit zu haben, die Schalung im inneren des Sockels wieder zu entfernen, wurde der Holzdeckel mit alter Teichfolie bedeckt. Nachdem drei Lagen Baustahlgewebe aufgelegt waren, konnte der Deckel gegossen werden. Als alles durchgetrocknet war, wurde der Sockel komplett ausgeschalt und war somit bis auf das Verputzen fertig.

Um für die Lehmkuppel gleich einen Schutz zu haben, wurde als nächstes das Dach gebaut. Es ist komplett aus 5cm Kanthölzern aufgebaut und mit Laschen an allen vier Ecken mit dem Sockel verschraubt.

 

Nun konnte es endlich an die Lehmkuppel gehen. Hierzu wurde aus einem Gemisch aus Sand und Lehm eine 10cm dicke Backfläche geformt. Die eigenliche Bckfläche aus Granit habe ich erst zum Schluss eingebaut. Dies würde ich aber heute auf jeden Fall schon diesem Baustadium  erldigen. Hier kann man die Platten noch schön auf die Lehmschicht aufkleben. Auf die Backfläche wurde der Backraum und der Eingangstunnel mit feuchtem Sand geformt. Hier kann man freihändig arbeiten oder Schablonen benutzen. Ich habe es freihändig gemacht, da der Ofen ja auch rustikal und nicht perfekt modern aussehen sollte. Dies Form wurde nun mit feuchtem Zeitungspapier belegt, welches als Trennmittel zwischen Sand und Lehm wirkt. 

Leider war bei meinem ersten Versuch zu wenig Sand im Lehm. Dadurch war der Schwund beim trocknen so groß, dass der Ofen innerhalb kürzester Zeit sehr große Risse aufwies. Somit wurde diese Lage wieder entfernt und ein neuer Versuch gestartet.

Im Internet fand ich eine super Lösung, wie man relativ einfach abschätzen kann, ob der Lehm zu fett ist. Dazu macht man aus dem zu testenden Gemisch drei etwa Faustgroße Bälle. Diese müssen ca. eine Woche trocknen. Danach werden diese aus ca. 1,5m Höhe auf einen Steinboden Fallen gelassen. Zerbröseln die Bälle in viele kleine Teile, ist die Mischung zu mager, d.h. es muss weniger Sand zugemischt werden. Bricht gar nichts ab ist das Gemisch zu fett. Bei richtiger Mischung dürfen nur kleine Teile von der Kugel abbrechen. Zerreibt man diese zwischen den Fingern muss man den Sand aber noch gut spüren können.

Bei mir ergab sich ein Mischungsverhältnis von zwei Teilen Sand auf einen Teil Lehm. Leider kann Lehm maschinell nicht so einfach gemischt werden. Die Lösung, den Lehm von Hand in einer Wanne mit dem Sand zu vermischen, schied für mich Aufgrund der großen, benötigten Mengen aus. Von einem Bekannten konnten wir uns für einen Tag einen Zwangsmischer ausleihen. Dieser machte innerhalb kürzester Zeit ein perfektes Gemisch aus Sand und Lehm. 

Aus diesem Gemisch wurde die erste Lage aus etwa Pferdeäpfeln großen Kugeln geformt. Um die Stabilität und die Isoliereigenschaften der zweiten und dritten Lage zu verbessern, wurde hier zum Lehm und dem Sand noch Stroh zugegeben. Hier weiß ich das Verhältnis nicht mehr, aber es wurden zwei Ballen Stroh verarbeitet. Da wir den Mischer nur einen Tag zur Verfügung hatten, wurden die beiden Außenlagen, entgegen den Tipps aus diversen Foren, am selben Tag fertig gemacht.

 

Der Schornstein wurde aus zwei ein Meter langen Teilen Rohren mit 15cm Durchmesser gebaut. Vier lange Schrauben, die am Fuß in den feuchten Lehm mit eingearbeitet wurden, fixierten das Rohr in der Lehmkuppel. Im Dachgebälk wurde es mit Lochband so befestigt, das es zu allen Holzteilen mindestens 10cm Abstand hatte.

Das Dach selbst wurde für den Bau der Kuppel entfernt und erst nach deren Fertigstellung wieder angebracht.

Jetzt sah das ganze schon sehr nach Lehmofen aus. Da ich grauen Lehm verwendete, wurde die Kuppel noch mit normalem, hellbraunen Lehmputz überzogen. Dies hat aber rein Optische Gründe.

 

Nach drei Wochen Trocknungszeit war es soweit. Durch das Einschussloch wurde der gesamte Sand aus dem Brennraum entfernt. An einem sonnigen Sonntag wurde der Ofen zum ersten mal angefeuert. Zuerst nur mit kleiner Flamme um die restliche Feuchtigkeit noch zu entfernen. Nach zwei Stunden wurde das Feuer deutlich vergrößert. Dies wurde nun für 10 Stunden beibehalten. Die hierbei entstehende Hitze im Ofen reicht aus, um die inneren Lehmlagen zu brennen.

Nun war der Ofen fertig für die ersten Versuche. Um den Ofen zum Brot backen verschließen zu können, fertigte ich aus 50mm Eschenholz noch eine Tür, die einfach in das Loch gestellt wird.

Als Werkzeuge benötigt man einen Abzieher mit dem man die Backfläche frei halten kann, eine Pizzaschaufel und ein altes Handtuch, welche nass um den Abzieher gewickelt wird. Mit diesem wird nun die freigeräumte Backfläche abgerieben, damit die Pizza keine Asche am Boden hat.

Da der Winter vor der Türe Stand, machte ich mir Gedanke wie man den Ofen vor Schnee und Regen schützen könnte. Ich entschied mich für Holzwände, die über den Winter an allen vier Außenwänden angebracht werden. Da diese lediglich eingehängt werden, können sie auch wieder schnell entfernt werden.